R wie Ruinen

Ruinen wirken auf Klein und Groß oft sehr faszinierend. Kinder lieben das Spiel in Kulissen aus vergangenen Zeiten. Wir Erwachsenen sind angetan von der Ästhetik des Verfalls, der Verbindung von Natur und Kultur. Kurz gesagt: Diese geschichtsträchtigen Orte sind bestens geeignet für einen Ausflug mit den Enkeln und der spielerischen Erkundung alter Geschichte(n). Ich stelle Euch Ruinen ohne Einsturzgefahr vor - von der Burgruine über die Klosterruine bis zu den Resten eines römischen Heiligtums.

Nippenburg

Lasst kindliche Ritterträume wahr werden und unternehmt einen Ausflug nach Schwieberdingen zur Nippenburg. In den Resten der Burgruine mit hohen Schildmauern und Vorburgteilen könnt Ihr wunderbar Ritter (heute selbstverständlich männlich und weiblich) oder Burgfräulen und Burgherr spielen. Auch ein Rittermahl sollte nicht fehlen, es gibt auf dem Gelände viele schöne Plätze zum Picknicken. Bitte dran denken, Getränke und Essen mitzubringen. 

Die Burgruine verlangt auch geradezu nach der Erzählung von spannenden oder lustigen Rittergeschichten, in denen Ritter und Knappen oder Maiden mit den Vornamen der Enkel im Mittelpunkt stehen. Lasst Eurer Fantasie freien Lauf. Da sich zahlreiche Sagen und Legenden um die Burg ranken, bietet es sich geradezu an, auf diese zurückzugreifen und sie auszuschmücken. Hier ein paar Anregungen: Eine Sage erzählt, dass in dem sumpfigen Gelände des Glemstals bei einer Schlacht alle Krieger im Moor versunken seien. Und eine Geistergeschichte berichtet vom Grafen Hans, der auf dem Burggelände sein Vermögen vergraben und dieses auch nach seinem Tod noch gehütet haben soll. 

Die Burg, die erstmals 1160 urkundlich erwähnt wurde, lag strategisch günstig auf einem Bergsporn oberhalb des Glemstals. Im 17. Jahrhundert wurde sie verlassen und direkt daneben das Herrenhaus Schloss Nippenburg erbaut. Die Burganlage wurde nun als Steinbruch genutzt, was zu einem fortschreitenden Verfall führte. Anfang der 1980er Jahre wurde die Burg dann umfassend konsolidiert und restauriert. Durch die Sicherung der einsturzgefährdeten Mauern konnte die Burgruine zu einem beliebten Ausflugsziel werden.

Info zur Anfahrt: Ein rund 1300 Meter langer Fußweg führt vom Parkplatz beim Golfplatz zu der Ruine (Navi-Eingabe Nippenburg 21, 71701 Schwieberdingen). Wer mit Kindern ab Schulalter unterwegs ist und den Burgbesuch mit einem ähnlich langen, aber für Kinder etwas abenteuerlicheren Weg verbinden möchte, kann bei der noch betriebenen Stumpenmühle Nonnenmacher parken. Von dort geht es an der Glems entlang und dann einen insgesamt gut begehbaren, aber teilweise recht steilen Waldpfad zur Burgruine hoch. Die Ruine ist nicht barrierefrei. 

Klösterle 

Südwestlich von Bönnigheim liegt das sogenannte Klösterle - die Ruinenreste des Klosters Frauenberg. Bereits 1449 gab es an dieser Stelle die Wallfahrtskapelle "Zu unserer lieben Frau". Das Kloster wurde im Jahr 1477 als Franziskaner-Observanten-Cella gegründet, also als eine sehr einfache, kleine Unterkunft, in der Barfüsser-Mönche lebten. Mit Einführung der Reformation wurde das religiöse Leben im Kloster eingeschränkt und mit dem Tod des letzten Mönchs 1546 gänzlich aufgegeben. Das Baumaterial wurde zum Teil in Bönnigheim wiederverwendet, bis 1792 war die Anlage weitgehend abgebrochen. Nur noch der Gewannname Frauenberg erinnerte an die einstige Bedeutung des Ortes. Im Rahmen der Flurbereinigung wurden 1975 die Überreste freigelegt und die Grundmauern des Chors gefestigt. 

Die Ruine in idyllischer Lage ist frei zugänglich. Lasst Eurer Fantasie freien Lauf und belebt das Klösterle spielerisch. Es gibt auch Wiesenflächen mit einem steinernen Tisch und Sitzgelegenheiten für ein Picknick.  

 

Info: Ihr erreicht die Ruine ganz bequem, wenn Ihr am Wanderparkplatz Klösterle an der Freudentaler Straße parkt. Dann sind es nur etwa 130 Meter Fußweg. Schöner und authentischer ist der Anmarsch über den etwa 300 Meter langen und bis zu 8 Meter tiefen Hohlweg im Gipskeuper, der als Naturdenkmal ausgewiesen ist. Der Weg zwischen der Stadt und dem Kloster entstand durch die häufige Begehung des Weges von Seiten der Mönche und Pilger, dadurch hat sich die Wegsohle tief in den Gipskeuper eingeschnitten. 

Mithräum

Ein Ort voll mythischem Zauber findet Ihr am Rande des Industriebgebiets Ottmarsheimer Höhe auf Mundelsheimer Markung. Hinter den Industriebauten am Feldrand mit wunderbarem Weitblick liegen die Überreste des Mithräums aus der Römerzeit. Der persische Sonnengott Mithras galt wie die Sonne als „unbesiegt“ – invictus - und war wegen dieser Eigenschaft bei den römischen Soldaten ausgesprochen beliebt.
Erhalten sind die Grundmauern eines grottenartigen Heiligtums mit tiefer liegendem Kultraum. Rechts und links des Mittelganges befinden sich zwei erhöhte Podien, auf denen die Besucher lagerten, den Zeremonien folgten und das Kultmahl einnahmen. Vollständig erhalten ist der Altar der Mondgöttin Luna, charakterisiert durch die durchbrochene Mondsichel. Er bildet das Gegenstück zum Altar mit der Darstellung des Sonnengottes Sol, erkennbar an der durchbrochenen Strahlenkrone. Da beide Altäre auf den Rückseiten Aushöhlungen besaßen, konnten Mondsichel und Strahlenkrone von hinten beleuchtet werden. 
Hier könnt Ihr mit Euren Enkeln die Römerzeit spielerisch aufleben lassen (siehe auch und V wie Villa rustica) und Euer mitgebrachtes Picknick auf den Podien einnehmen. Mit größeren Kindern könnt Ihr auch zu spätabendlicher Stunde das Mithräum besuchen. Wenn die Sonne untergeht oder der Vollmond durch den Altar scheint, ist es besonders stimmungsvoll. Da der Ursprung des Kultes in der genauen Beobachtung des Sternenhimmels liegt, bietet sich auch das.   

Info: Das Mithräum (ist ausgeschildert) im Industriegebiet Ottmarsheimer Höhe erreicht Ihr über die Heinrich-Hertz-Straße. Dort könnt Ihr parken und die letzten Meter zu Fuß gehen. 

A  |  B  |  C  |  D  |  E  |  F  |  G  |  H   |  I  |  J K  |  L  |  M N  |  O  |  P  |  Q  |  R  |  S  |  T  |  U  |  V  |

W  |  X  |  Y  |  Z