G wie Gaunereien
Ob Räuber Hotzenplotz oder Räubertochter Ronja – Räubergeschichten erfreuen sich bei vielen Kindern großer Beliebtheit. Erzählt doch Euren Enkeln eine aufregende Gaunergeschichte aus Ludwigsburg mit historischem Hintergrund.
Die Schwarze Lies
Habt Ihr schon von der Schwarzen Lies gehört? Eigentlich hieß sie Elisabetha Gaßner, doch ihr Räubername war Schwarze Lies. Wenn sie auf Diebestour ging, verkleidete sie sich oft als Mann und klebte sich einen falschen Bart an. Vor allem auf Krämermärkten war sie als Taschendiebin unterwegs und stahl Taschenuhren, vergoldete Tabakdosen, Geld oder Spitzen. Mal trieb sie sich am Bodensee herum, dann wieder in den Gebieten Neckar, Rhein oder Donau. Zwar wurde die Schwarze Lies auch immer mal wieder erwischt und für kurze Zeit in die Arrestzelle gesperrt oder mit Stockhieben bestraft, was damals üblich war. Doch sie kam meist schnell wieder frei. Doch dann beging sie einen Diebstahl in Ludwigsburg, der ihr zum Verhängnis werden sollte.
Es war im Jahr 1782, Herzog Carl Eugen feierte seinen Geburtstag mit zahlreichen Gästen, unter ihnen war auch Reichsgraf Franz Ludwig Schenk von Castell. Und der hatte sehr, sehr viel Geld in seiner Jacke, nämlich eine Rolle Golddukaten. Die Schwarze Lies, der es in dem dichten Gedränge der Schaulustigen gelungen war, die Wachen zu umgehen und sich unter die Gäste zu mischen, stahl diese Dukatenrolle. Sicher hat sie sich sehr gefreut, denn so eine fette Beute war ungewöhnlich. Doch bald schon musste sie feststellen, dass sie sich das falsche Opfer ausgesucht hatte. Der Reichsgraf hatte es sich nämlich zur Lebensaufgabe gemacht, Gauner zu bekämpfen. Und selbst Opfer eines dreisten Taschendiebstahls zu werden, sah er als besonders schlimm an. Außerdem war er beleidigt, weil ihn die Hofleute auch noch verspotteten. Der Graf Schenk habe in Wirklichkeit gar nicht so viel Geld mitgeführt, sondern behauptete nur, bestohlen worden zu sein, wurde gespottet. Stinksauer ließ der Reichsgraf die geflüchtete Schwarze Lies von Diebesfängern durchs Land jagen, bis sie endlich geschnappt wurde. Sie legte ein volles Geständnis ab und da kam einiges zusammen. Auch das Versteck ihrer Beute verriet sie: Ein Teil der Dukaten war in einem Schächtelchen unter einem Kanonenhaufen im Ludwigsburger Arsenal versteckt. Vor 250 Jahren ging man erbarmungslos gegen Diebe vor. Und so wurde die Schwarze Lies im Juli 1788 mit dem Schwert hingerichtet.
(Anmerkung von Stadt.Land.Enkel: Ihr müsst selbst entscheiden, ob Eure Enkel alt genug sind, von der Hinrichtung zu hören. Das Ende kann kindgerecht umgeändert werden und von einer nicht näher bekannten Strafe die Rede sein.)
Foto: Czeslawa Grabowska, unsplash
Spiel: Räuber und Gendarm
Wollen Eure Enkel ihre eigene Räubergeschichte erleben? Dann spielt doch mit ihnen „Räuber und Gendarm“ – ganz wie früher in Eurer eigenen Kindheit. Am besten geht das mit einer großen Enkelschar, doch auch im kleinen Kreis kann gespielt werden. Vielleicht könnt Ihr Euch auch mit befreundeten Großeltern und ihren Enkeln treffen und gemeinsam spielen.
Idealerweise wird in einem Wald gespielt, zum Beispiel im Ludwigsburger Salonwald. Wenn die Kinder noch jünger sind, sollten auf jeden Fall zwei Erwachsene dabei sein und jeweils eine Gruppe anführen, damit kein Kind im Wald verloren geht. Die Räuber verstecken sich in einem vorab festgelegten Gebiet und werden von den Gendarmen gesucht und gefangen genommen. Sind mehrere größere Kinder dabei, die sich auch schon allein verstecken dürfen, kann das Spiel traditionell gespielt werden. Dann können noch freie Räuber einen gefangen genommenen Räuber befreien. Auch können die gefangenen Räuber versuchen, sich heimlich wegzuschleichen und neu zu verstecken. Bilden nur ein Großelternteil und ein Enkel ein Räuber- oder Gendarm-Duo, dann werden die Rollen gewechselt, sobald die Gefangennahme erfolgt ist.